Media References

© 20 Minuten; 14.12.2011, Link

Inder sehen Destabilisierung der Schweiz

Die Gesamterneuerung des Bundesrats stösst auf ein gewaltiges Medienecho - und zwar nicht nur hierzulande. Vijay Kumar Singh ist Korrespondent für die indische Nachrichtenagentur «Indian News Agency» und beobachtet die Wahl mit wachsamem Auge: «Meine Landsleute interessieren sich sehr wohl für schweizerische Politik. Die Schweiz gilt bei uns als Paradebeispiel für demokratische Stabilität.»


Genau diese sei mit der heutigen Wahl, bei welcher der grössten Partei ihre angemessene Vertretung in der Regierung verweigert werde, aber in Gefahr. Demzufolge wird der Titel seines Artikels lauten: «Die Schweiz rutscht in die politische Instabilität.»


Hintergrund von Singhs Berichterstattung von der schweizerischen Bundesratswahl ist der Staatsbesuch der indischen Präsidentin Pratibha Patil Anfang Oktober. Dieser habe in Indien ein grosses Echo ausgelöst und das Interesse an der Eidgenossenschaft erst recht geweckt. Dennoch tippe jeweils noch kaum jemand auf die Schweiz, wenn gefragt werde, welches Land alljährlich seine Präsidentschaft auswechsle - diese Frage sei in indischen Quizshows nämlich sehr beliebt, schmunzelt Singh.

 

 

© Tages-Anzeiger; 26.12.2011, von Jvo Cukas

Lichter, Gold und Glücksspiel

Die hinduistische Weihnacht ist ein Freudenfest. Auch weil dem Konsum gefrönt werden darf, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.


«Es ist eines der schönsten Feste, die wir Hindus feiern», meint Vijay Kumar Singh, «vor allem wegen der vielen Lichter.» Der 70-jährige Journalist spricht vom indischen Weihnachten und Neujahr in einem, dem Diwali-Fest.
An Diwali treffe man Familie und Freunde, beschenke sich mit allem Möglichen und – allem voran – würden sämtliche Wohnungen mit einem Meer aus Lichtern geschmückt. Dies hat einen konkreten Hintergrund: An Diwali, das meist Anfang November stattfindet und in diesem Jahr auf den 26. Oktober fiel, wird Lakshmi gefeiert, die Göttin des Reichtums und materiellen Glücks.

Lakshmi und das Licht


«Lakshmi würde sich bei Dunkelheit zurückziehen, deshalb wird sie mit Lichtern in den Wohnungen gehalten, um allen Familienmitgliedern im nächsten Jahr materielles Glück zu bringen.» Ursprünglich waren die Lichter spezielle Kerzen aus gegorener Butter oder Öl, denen eine zusätzliche Symbolik innewohnte.
Das Öl stand für alle bösen Dinge, die einem widerfahren waren, der Docht für das Ego. Wurden sie angezündet, verbrannte das Licht alles Böse und brachte schliesslich auch das Ego zur Auflösung. Obwohl ihm die Symbolik gefällt, hat aber auch Singh die Tradition in die Moderne übersetzt: «Ich lasse an Diwali immer alle Lampen an, zu Hause und im Büro.»

Gold und Glücksspiel


Da die Göttin des materiellen Glücks gefeiert wird, hat Diwali denn aber meist wenig mit Andacht zu tun. Oder besser: Die Hindus dürfen an diesem Tag ohne schlechtes Gewissen dem Konsum frönen, in unseren Breitengraden widerspricht dies wohl dem ursprünglichen Weihnachtsgedanken.
So gehören besonders zwei Aspekte zu Diwali: Gold und Glücksspiel. «In Indien steigen die Goldpreise jedes Jahr um den Feiertag ins Unermessliche», erklärt Singh. Es gehöre dazu, dass man vor allem Frauen mit dem Edelmetall beschenke, ob man nun reich sei oder arm. Dies hat einen klaren Hintergrund. «In Indien gibt es keine soziale Absicherung, mit dem Gold schenkt man also auch eine finanzielle Unabhängigkeit.»
Auch neue Kleider und Schuhe, vor allem bei Männern und Kindern, oder Süssigkeiten gehörten zu den traditionellen Geschenken. Heute habe man sich aber in diesen Dingen der Moderne angepasst und verschenke alles Mögliche. Nur dem Gold ist man treu geblieben, auch hier in der Schweiz.
Unter anderem auch mit der Göttin Lakshmi zu tun hat die Sitte, dass an Diwali aus privaten Stuben wahre Spielhöllen entstehen können. Die Zeit des materiellen Glücks eigne sich besonders dafür, sein Glück auf die Probe zu stellen, erklärt Singh. Beliebt sind Poker und andere Glücksspiele, und man spielt um richtig viel Geld. «In Indien gibt es deswegen stets Polizeirazzien.» Hier in der Schweiz, meint Singh, werde dies im privaten Rahmen sicher auch gemacht, aber in zurückhaltenderem Masse.

Feiern bei Blocher und Co.

Der Journalist Singh, der seit seinem 20. Lebensjahr in der Schweiz lebt, begeht den Feiertag hier meist auf die gleiche Weise wie auch die meisten seiner Landsleute. «Am Morgen treffen wir uns im engen Familienkreis zu einem Hawan, mit dem wir der Natur danken, dass es uns so gut geht.» Dabei sitze man im Kreis um ein kleines Feuer, das auch eine innere Reinigung symbolisiere. «Alle ziehen etwas Schönes an, und im Anschluss verteilen wir Süssigkeiten.»

 

 


Danach sei die Tür für Freunde und Bekannte offen, es werde gefeiert, man verteile Geschenke und besuche andere Freunde in deren Heim. «Es ist ein Kommen und Gehen.» In Zürich mietete der indische Verein des Grossraums Zürich (IAGZ) dieses Jahr das Schützenhaus Albisgüetli, um im grossen Rahmen miteinander zu feiern. Wo jedes Jahr Blocher und Co. ihr Unbehagen gegenüber Fremdem kundtun, leuchten Anfang November plötzlich überall Lichter, und eine lebendige und farbenfrohe Gemeinschaft feiert fremde Bräuche.
Dabei gehe es stets laut und unruhig zu und her. «Die Kinder rennen herum, alle haben zusammen Spass.» Zwar gebe es auf der Bühne auch kulturelle Darbietungen wie traditionelle Tänze – Singh beschreibt sie als «Philosophieren mit dem Körper» –, wichtig sei aber die Gemeinschaft. Und das Essen. Beim Diwali-Fest im Schützenhaus Albisgüetli geniessen die Hindus neben Gemüse, Reis und indischem Brot (Chapati) auch Fleisch – obwohl in Indien meistens vegetarisch gegessen wird. «Wissen Sie, für uns hat jedes Tier eine Seele. Und die tötet man nicht einfach.»

 

© Tages-Anzeiger; 19.06.2010
Die kleine Geschichte - Indische Gäste werden in Luzerner Hotels gerne hingehalten und abgewimmelt.

Curry und Nelkenzigaretten

Es ist ja manchmal eine Kleinigkeit, die Unmut zur Empörung treibt. Doch
dann bringt sie Gemüter und die zwischenmenschliche Chemie zum Kochen. Zum
Beispiel in der Schicksalsgemeinschaft von Hotelgästen. Vielleicht ist es
ein nasser Spaniel, der sich im Foyer neben Teedamen schüttelt. Oder ein
Mann, der eigentlich Familienferien macht, aber am Frühstücksbuffet über den
Kopf seiner Tochter hinweg jeden Morgen laut und geschäftlich telefoniert.
Oder es sind zwei niedliche Bengel, die im Speisesaal Verstecken spielen und
den beherrscht lächelnden Mitgästen das sonst friedliche Diner vergällen
...
Der indischstämmige Zürcher Journalist und Indien-Netzwerker Vijay Kumar
Singh kann die Aufregung nicht verstehen. Die Schweizer Hoteliers müssten
sich endlich von Leuten beraten lassen, «die Indien nicht nur aus dem
Google-Suchdienst kennen». Es gilt zum Beispiel als höchst ungehobelt, wenn
ein Hoteldirektor einer Frau im Sari die Hand küsst. Man müsse halt wissen,
dass die reichen Inder «zu Hause von Dienern umschwärmt sind und besondere
Aufmerksamkeit verlangen», sagt Kumar Singh. Und sonst sollten die Schweizer
damit aufhören, in Bollywood für Titlis und Pilatus zu werben.
...

 

© Neue Luzerner Zeitung; 12.06.2010

Andersartigkeit wäre eine Chance

Vijay Kumar Singh, Journalist BR und Indien-Knigge-Dozent, Zürich

Kürzlich beschwerte sich bei mir ein frisch verheiratetes indisches Ehepaar,
das in der Zentralschweiz in einem Hotel übernachtet hatte, über das für sie
«unkultivierte» Benehmen eines Hotelangestellten. Dieser schüttelte bei
einem unerwarteten Händedruck die Hand der Braut so stark, dass nicht nur
einige farbige Glasarmringe in die Brüche gingen, sondern das Handgelenk
sogar schmerzte. Ich versuchte die Gäste aus meiner alten Heimat, denen ich
im Zug begegnete, mit der Erklärung über Personalqualität und Unwissen zu
beruhigen. Im Artikel beklagen sich nun die Hoteliers ihrerseits über das
Benehmen der indischen Touristen. Anscheinend haben die beiden Parteien
Mühe, sich gegenseitig zu verstehen. Vor allem erscheint mir die Aussage des
Hoteldirektors als stossend, rassistisch und unverständlich. In Zürich,
Interlaken und Davos höre ich von Hoteliers, dass sie Inder als «special
guests» bezeichnen und keinesfalls als unbeliebte Gäste.

Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass die Inder ihre besonderen Eigenheiten
besitzen bezüglich Essen, Sozialwesen, Sprechkultur und Benehmen. Diese sind
keineswegs kongruent mit der schweizerischen Kultur. In der
Auseinandersetzung mit der Andersartigkeit könnte aber für die
Hotelindustrie eine Chance liegen, auch diese Gäste zufriedenzustellen und
sie als Kunden zu gewinnen. Voraussetzung wäre ein wirkliches Interesse an
der vielfältigen anderen Art. Beispielsweise hat das indische Essen eine
jahrhunderte-, ja jahrtausendealte Tradition.

Wenn Innerschweizer keine indischen Touristen wollen, braucht es meiner
Meinung nach auch keine Werbung in Indien, finanziert von Schweizer
Tourismus-Organisationen.

 

Magazin der Stellen für Suchtprävention im Kanton Zürich Nr. 2, Juni 2010

Alle für einen. Einer für alle

Vijay Kumar Singh ist gebürtiger Inder, der in Zürich an der ETH studiert hat. Er ist
Journalist und Dozent sowie Lachyoga-Lehrer.

«Das sind nicht meine Kinder», war die erste und
spontane Gegenreaktion eines Schweizers auf die
Äusserung eines Inders, der selbstverständlich
die daneben stehenden Kinder als Sprösslinge
des Gastes bezeichnete. Dieses Missverständnis versuchte ich als
Übersetzer aufzuklären. Nach der indischen Vorstellung
gehören die Kinder nicht nur den biologischen Eltern, sondern
zu einer Gemeinschaft, in der man lebt. Im Westen dagegen werden
nur die leiblichen Kinder als eigene bezeichnet.
Im Laufe der Zeit haben sich nebst diesem Verhalten auch
einige andere stereotype Unterschiede im «westlichen» und
«östlichen» Denken herausgebildet: hier analytisch und logisch,
dort synthetisch und intuitiv; hier objektiv, aktiv und dynamisch,
dort subjektiv, passiv und statisch; hier intellektuell und
individuell, dort emotionell und kollektiv. So fragt man in der
klassischen Formulierung der abendländischen Philosophie:
Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Typischerweise kreisen
alle diese Fragen um das Individuum. Demgegenüber lautet die
Frage in Indien: Ich? Gibt es mich denn? Ist die Frage nach dem
Woher überhaupt sinnvoll? So wird die Stellung des Einzelnen
bedeutungslos und der Kollektivismus steht im Vordergrund.
Das wichtigste Motto einer Familie lautet demnach «Alle für
einen. Einer für alle». Mit dieser Haltung wird auch die Ehe
geschlossen. Die Stellung von Mann und Frau wird jedoch meist
traditionell definiert: Der Mann gilt als Ernährer und Oberhaupt,
die Frau als Zusammenhalterin der Familie.
Wegen der gegenwärtigen Wirtschaftskrise sind immer mehr
männliche Einwanderer arbeitslos. Ohne Arbeitsstelle verlieren
die Männer ihre Rolle als Ernährer und sind auf Sozialleistungen
oder auf andere Einnahmequellen angewiesen. Dadurch
wird ihre traditionelle Rolle als Familienoberhaupt in Frage gestellt,
die sie in ihrer Heimat auch ohne Arbeit hätten. In der
westlichen Gesellschaftsordnung fühlen sich die arbeitslosen
Migranten in ihrer Würde gedemütigt und schämen sich insgeheim
für ihr Versagen. Zudem können sie ihre daheim gebliebene
Familie nicht mehr unterstützen. So suchen viele, wie ich
in verschiedenen Gesprächen mit Betroffenen festgestellt habe,
ihr Heil in Suchtmitteln wie Alkohol und Nikotin.
Die gesellschaftliche Demütigung und eine mögliche Sucht
kann einerseits zu viel Leid für die Betroffenen und ihre Familien
führen. Anderseits lassen die Familien ihre Geliebten nicht
fallen und unterstützen sie nach ihren Möglichkeiten – so wie
sie es gewohnt sind: «Alle für einen. Einer für alle».

© Tages-Anzeiger; 28.04.2010

Nackte Asketen und eigenartige Heilige beten zu Mutter Ganga


Heute geht das grösste religiöse Fest in Indien, Kumbh Mela, zu Ende. Über
50 Millionen Hindus sind an die Ufer des Ganges in Haridwar gepilgert, was
die Behörden vor enorme Sicherheitsprobleme stellt.

Von Vijay Kumar Singh, Haridwar


«Ganga ma ki jai» - «Hoch lebe die Mutter Ganga!» Mit solchen und ähnlichen
Lobpreisungen steigen fromme Hindus mit oder ohne Kleider ins Wasser des
heiligen Flusses Ganges. Die heiligste Stelle des Flussufers ist Har Ki
Pauri - Spuren von Gott - in der Stadt Haridwar im Norden Indiens, wo
bereits in den 60er-Jahren die Beatles einige ihrer Lieder komponiert haben.
Hier tritt der Ganges erstmals von den Bergen ins Flachland ein und beginnt
seine über 2000 Kilometer lange Reise bis zur Einmündung in den bengalischen
Golf. Normalerweise wohnen etwa 200 000 Menschen in Haridwar. Aber derzeit
sind Millionen von Hindus hier, um dem grössten religiösen Fest der Welt,
Kumbh Mela - dem Fest des Gefässes (siehe Kasten) - beizuwohnen.

In Har Ki Pauri und seiner unmittelbaren Umgebung herrscht während der
Festzeit immer eine einmalige friedliche Stimmung. Diese besteht aus einer
Mischung aus Gesang, Gebimmel der Tempelglocken, Plätschern des
Flusswassers, Düften der aromatisierten Räucherstäbchen, menschlichem Lärm,
Gemurmel von Mantras und Bewegungen der Menschen.

Trotz des Gedränges in der enormen Menschenmenge spürt man keine Bedrohung,
Aggressionen, Gehässigkeiten und Ängste. Jeder Pilger ist mit der Ausführung
seiner Rituale beschäftigt und versucht dadurch, sich von seinen Sünden zu
reinigen und für seine Seele die Unsterblichkeit zu erlangen. Die
individuellen Rituale werden nur von denlauten Stimmen der
Ordnungshütergestört, die forsch die Menge dazu auffordern, den Platz für
andere Pilger zu räumen. Manche wollen ihren «Sündenreinigungsprozess»
mittels Kamera für die Ewigkeit festhalten.

Hindus aus aller Herren Länder

Die religiöse Idylle wird einzig getrübt, wenn gelegentlich Ausländerinnen
nackt baden und so die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Einheimischen
beobachten sie zwar neugierig, werden gleichzeitig aber wütend
angesichtsdieser moralischen Unsittlichkeit. DennInderinnen tauchen meist in
ihren Saris oder im Kleid in den Ganges ein.

Ein Bad im kalten Flusswasser (etwa 20 Grad) ist wegen der glühenden Hitze
von bis zu 40 Grad sehr erholsam. Der religiösen Inbrunst der Hindus
begegnet man überall. Besonders am Abend ist sie zu spüren, wenn die Mutter
Ganga feierlich verehrt wird. Der indische Name für den Fluss Ganges ist
auch der Name einer Göttin des Hinduismus. Die Gläubigen singen mehrmals die
gleichen Verse, was sie in eine spirituelle Trance versetzt. Während der
Kumbh Mela spielen Volkstheater-Gruppen den Menschen an verschiedenen Orten
auch kostenlos Geschichten und Szenen mit hinduistischen religiösen Texten
vor.

Seit Anfang der diesjährigen Kumbh Mela am 25. Januar haben sich nach
Schätzung der Behörde bereits 50 Millionen Menschen von den Sünden
gereinigt. An bestimmten heiligen Tagen badeten bis zu 5,5 Millionen
Gläubige. Heute Mittwoch, zum Endes des Festes, werden nochmals mehr als 5
Millionen Pilger erwartet. Die gläubigen Hindus strömen nicht nur aus
verschiedenen Teilen des Landes herbei, sondern auch aus den Ländern mit
einer grossen Hindu-Bevölkerung wie Nepal, dem indonesischen Bali, Fidschi,
Surinam oder Mauritius. Zudem reisen auch viele Hindus aus England, USA,
Kanada oder Malaysia an.

Swiss Baba aus der Ostschweiz

Auch ein Ostschweizer, der als Swiss Baba in Indien bekannte Emil K.*, ist
in Haridwar präsent. Mit seinen orangen Kleidern und seinem weissen langen
Bart passt er sichtlich zu den indischen Heiligen, den Naga Sadhus. Er wird
von diesen auch geachtet, da er Forschungsarbeiten über Hinduismus betreibt.
Der etwa 55-Jährige reist seit einigen Jahren im Land umher und wollte
dieses einmalige Fest mitfeiern. Besonders erfreut war er, dass er am
wichtigen Festtag in Har Ki Pauri mit den indischen Heiligen baden durfte.

Die heiligen nackten Männer stehen im Mittelpunkt der bunten Badezeremonie.
Sie geben ihre spartanische Lebensweise in den abgelegenen Bergen und
Wäldern Indiens auf, um das Baden am Ganges auf astrologisch günstige Tage
während des Festes zu legen. Manchmal jagen sie den andern Besuchern Furcht
ein, wenn sie mit oder ohne Dreizack, total nackt, mit Blumen geschmückten
langen Zöpfen und mit blau-grauer Asche verschmiertem Körper die
traditionelle Prozession hinunter zum Fluss anführen. Der Besuch dieses
Festes soll sich für die Asketen positiv auf ihre Wiedergeburt auswirken.

Die meisten der Nagas, die unter strengem Zölibat leben, konsumieren auch
Haschisch oder Marihuana und tragen eine Halskette von heiligen Perlen. In
ihren Lagern, Juna Akhadas genannt, trainieren sie ihre Kräfte mit
asketischen Übungen und folgen ihren eigenen Leitsätzen von Religion und
spiritueller Aktivität - ohne Rücksicht auf diese Welt. Anderseits haben sie
erstaunlicherweise schon mehrmals mit Bannern gegen die globale Erwärmung
demonstriert.

Islamistische Terrordrohungen

Die Pilger sind oft mehr als vier Monate unterwegs und erzählen, wie
fantastisch es ist, in Haridwar zu sein, so nahe bei Gott Shiva. Denn der
Ganges ist gemäss hinduistischer Legende aus den Haaren von Shiva
entsprungen. Die Besucher schlafen in improvisierten Zelten und bringen ihre
Kochutensilien und Decken selber mit.

Für die Regierung stellt die Kumbh Mela eine gigantische logistische und
organisatorische Aufgabe dar. Es gilt, für diese Millionen von Menschen auf
einer Fläche von 130 Quadratkilometern nicht nur für hygienische
Verhältnisse, sauberes Trinkwasser und kostenlose Schlafmöglichkeiten zu
sorgen, sondern auch Recht und Ordnung, Sicherheit und reibungslose Abläufe
zu garantieren. Denn zahlreiche islamische Terroristengruppen wie Lashkar-e
Taiba haben mit Anschlägen gedroht. Und die Regierung weiss jetzt schon,
dass sie gute Chancen auf eine Wiederwahl hat, wenn dasGefässfest ohne
nennenswerte Probleme zu Ende geht. Diese Aussage bekräftigt auch Antriksh
Kumar, Vizepräsident der regierenden BJP des Gliedstaates Uttrakhand, in dem
Haridwar liegt.

Das ganze Fest wird täglich von 16 000 Polizisten und paramilitärischen
Einheiten überwacht. Die gesamten Kosten betragen gemäss dem oberstem
Administrator des Kumbh Mela, Alok Sharma, umgerechnet über 12 Millionen
Franken. Gleichzeitig soll das Fest ein Geschäftsvolumen von über 700
Millionen Franken generieren.

Wünsche an die Götter

Viele Besucher nehmen einen beschwerlichen Weg in Kauf und warten oft
geduldig stundenlang in der prallen Sonne. Das Bad ermöglicht ihnen nicht
nur die Sündenreinigung - die spirituellen Schwingungen dieses heiligen
Platzes sollen sie auch zum Weg der Reinheit des Geistes und der Seele
führen. Selbst ältere und gebrechliche Pilger waten unverdrossen durch das
schnell fliessende Wasser. Bei jedem Eintauchen murmeln sie ihre
persönlichen Gebete. Dabei geraten die bestehenden Schranken des
Kastenwesens und die sozialen Unterschiede in der hinduistischen
Gesellschaft vorübergehend in den Hintergrund.

Kumbh Mela gibt den Gläubigen die Gelegenheit, sich von den Leiden zu
befreien. Dadurch können sie auch soziale Ungerechtigkeit und Demütigungen
ertragen. Ihren Wunsch, im nächsten Leben in eine höhere Kaste geboren zu
werden oder sogar die Unsterblichkeit zu erreichen, können sie beim Baden im
Ganges den Göttern übergeben.Kumbh Mela findet alle drei Jahre statt

Baden im Nektar der Unsterblichkeit

Kumbh Mela gilt als das grösste religiöse Fest des Hinduismus und der Welt.
Dessen Zweck liegt in der rituellen Waschung an einem besonders heiligen Ort
zu einer besonders günstigen Zeit. Gemäss der Hindu-Mythologie wühlten
Dämonen und Götter das ewige Meer auf. Aus diesem entsprang das heilige
Wasser, der Nektar der Unsterblichkeit, welcher in ein Gefäss (Kumbh)
gefüllt wurde. Als die Dämonen vom kostbaren Schatz trinken wollten, um sich
wie die Götter unsterblich zu machen, floh Jayanata, der Sohn der
Himmelsgottheit, in Gestalt einer Krähe mit dem vollen Krug. Von den Dämonen
verfolgt, flog der Vogel in Richtung Paradies. An vier Orten - Haridwar,
Allahabad, Ujjain und Nasik - ruhte er sich aus. Dabei fiel aus dem Gefäss
versehentlich je ein Tropfen des Unsterblichkeitsnektars Amrita heraus. Die
Krähe brauchte gemäss der Überlieferung zwölf Tage, um das Paradies zu
erreichen.

Jeder dieser Tage entspricht einem Erdenjahr. So wird Kumbh Mela alle zwölf
Jahre an einem der vier heiligen Plätze wie Haridwar gefeiert, das heisst
alle drei Jahre findet ein Gefässfest ineinem dieser vier Orte statt.
Haridwar geniesst jedoch eine besondere Bedeutung wegen seiner religiösen
und geografischen Lage. Im Glauben der Menschen verwandelt sich während
Kumbh Mela das Flusswasser selbst in denUnsterblichkeitsnektar Amrita.


SF TV glanz und gloria vom 23.04.2009


Dezember 2005

 

 

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